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FAQ – Landschaftsfotografie

Ausrüstung

Welche Kamera eignet sich am besten für Landschaftsfotografie?

Grundsätzlich kann man mit jeder Kamera – auch einem Smartphone – schöne Landschaftsfotos machen. Dennoch empfehle ich für ernsthafte Landschaftsfotografie eine spiegellose Systemkamera (Mirrorless) oder eine DSLR mit Vollformatsensor. Der größere Sensor liefert bei schlechten Lichtverhältnissen (Blaue Stunde, Nachts) deutlich bessere Ergebnisse und mehr Dynamikumfang, was bei der Bildbearbeitung große Vorteile bringt. Ich selbst fotografiere mit einer Sony A7 IV. Wichtig: Investiere lieber in gute Objektive als in die neuste Kamera.

Und um ehrlich zu sein. Meine Fuji X-T3 war auch der Hammer ;)

Welche Objektive sind für Landschaftsfotografie geeignet?

Ein Weitwinkelobjektiv im Bereich 14–24 mm (Vollformat) ist das klassische Werkzeug für Landschaftsfotos. Es ermöglicht weite Bildwinkel und eignet sich hervorragend für dramatische Vordergrund-Hintergrund-Kompositionen. Für detailreiche Fernaufnahmen – z. B. Berggipfel oder entfernte Wälder – ist ein Teleobjektiv (70–200 mm oder länger) sehr nützlich. Ein lichtstarkes 24–70 mm Standardzoom ist ein toller Allrounder für unterwegs. In der Waldfotografie nutze ich meist um die 35mm.

Brauche ich zwingend ein Stativ?

Für die Landschaftsfotografie ist ein Stativ fast unverzichtbar. Besonders bei Langzeitbelichtungen (fließendes Wasser, Wolkenbewegungen, Blaue Stunde, Nachtaufnahmen) sorgt ein stabiles Stativ für gestochen scharfe Bilder. Achte auf ein stabiles Carbon- oder Aluminium-Stativ mit zuverlässigem Kugelkopf. Bei windigem Wetter oder langen Belichtungszeiten hänge zusätzlich Gewicht an den Mittelsäulenhaken, um Vibrationen zu reduzieren.

Andererseits schränkt ein Stativ auch ein. Mit einem stabilisierten Sensor und/oder Objektiv, ist ein Stativ nicht zwingend nötig. Du hast mehr Freiraum.
ich persönlich mag es aber aufzubauen, alles einzurichten und fast schon klinisch meine Szene zu wählen.

Welche Filter sind für Landschaftsfotografie sinnvoll?

Drei Filtertypen sind in der Landschaftsfotografie besonders wichtig: Ein Polarisationsfilter (CPL) reduziert Reflexionen auf Wasser und Laub, sättigt Farben und macht den Himmel tiefer blau. ND-Filter (Graufilter) verlängern die Belichtungszeit und ermöglichen Langzeitbelichtungen auch am Tag. Verlauffilter (GND) helfen dabei, den Kontrastunterschied zwischen hellem Himmel und dunklem Vordergrund auszugleichen. Ich empfehle Systeme von Lee, NiSi oder Haida.

Kameraeinstellungen

Welche Grundeinstellungen empfiehlst Du für Landschaftsfotos?

Als Ausgangspunkt für Landschaftsfotografie empfehle ich: Schieße immer im RAW-Format, um maximalen Spielraum in der Nachbearbeitung zu haben. Stelle den ISO-Wert so niedrig wie möglich ein (ISO 64–200), um Bildrauschen zu vermeiden. Wähle eine mittlere Blende zwischen f/8 und f/11 für maximale Schärfe über das gesamte Bild. Die Belichtungszeit ergibt sich dann durch die Lichtbedingungen – hier hilft das Stativ. Verwende den Selbstauslöser oder eine Fernbedienung, um Verwacklungen beim Auslösen zu vermeiden.

Bei Wind ist mir ein scharfes Foto wichtiger als wenig Rauschen. Daher achte vor Ort darauf, dass die Blätter, Zweige, etc. alle schon scharf und nicht verwackelt sind.
Dies kann aber auch ein besonderes Stilelement sein. Wie immer bestätigen Ausnahmen die Regel.

Was ist Fokus-Stacking und wann brauche ich es?

Fokus-Stacking ist eine Technik, bei der Du mehrere Aufnahmen mit unterschiedlichen Schärfepunkten kombinierst. Das Ergebnis ist ein Bild, das von vorne bis hinten absolut scharf ist – etwas, das optisch mit einem einzelnen Bild oft nicht möglich ist. Besonders wenn Du einen Stein oder eine Blume sehr nah als Vordergrundmotiv nutzt und gleichzeitig die Bergkette im Hintergrund scharf haben möchtest, ist Fokus-Stacking ideal. In Photoshop lässt sich das mit "Bearbeiten > Ebenen automatisch ausrichten" und "Ebenen automatisch überblenden" umsetzen.

Was bedeutet Exposure Blending und wozu ist es gut?

Exposure Blending (auf Deutsch: Belichtungsebenen kombinieren) ist eine Technik, bei der Du mehrere unterschiedlich belichtete Aufnahmen desselben Motivs in der Bildbearbeitung übereinanderlegt und manuell oder mit Masken kombinierst. So kannst Du zum Beispiel einen korrekt belichteten Himmel mit einem korrekt belichteten Vordergrund vereinen. Im Gegensatz zur HDR-Fotografie bleibt das Ergebnis beim Exposure Blending natürlicher und wirkt nicht übertrieben. Ich zeige diese Technik ausführlich in meinen Workshops.

Welcher Weißabgleich ist für Landschaften am besten?

Ich empfehle, den Weißabgleich beim Fotografieren im RAW-Format auf "Auto" zu lassen und ihn später in der Nachbearbeitung präzise anzupassen. Beim JPEG-Fotografieren rate ich zu "Tageslicht" bei sonnigen Bedingungen und "Bewölkt" für wärmere Töne bei bedecktem Himmel. Das manuell eingestellte Kelvin-Modell bietet die volle Kontrolle, erfordert aber etwas Übung.

Zu viel Theorie?

Planung & Location

Wie finde ich gute Locations für Landschaftsfotos?

Eine gute Planung ist der halbe Erfolg. Ich nutze regelmäßig folgende Tools: Google Earth und Google Maps für die Voransicht und Erreichbarkeit. The Photographer's Ephemeris (TPE) oder PhotoPills zeigen Dir, wo und wann Sonne und Mond auf- und untergehen – entscheidend für dramatisches Licht. Instagram und 500px inspirieren und zeigen, was an bestimmten Locations möglich ist. Vor Ort lohnt es sich, die Location zu unterschiedlichen Tageszeiten und Jahreszeiten zu erkunden, um das beste Licht zu erwischen.

Wann ist die beste Tageszeit für Landschaftsfotografie?

Die sogenannte "Goldene Stunde" – kurz nach Sonnenaufgang und kurz vor Sonnenuntergang – liefert das weichste und wärmste Licht. Die "Blaue Stunde" unmittelbar vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang bietet kühle, gleichmäßige Beleuchte ohne harte Schatten. Mittagssonne ist für Landschaften meist ungünstig, da das Licht hart und flach wirkt und der Himmel ausgebrannt aussehen kann. An bewölkten Tagen ist der Kontrast geringer, was für bestimmte Motive – z. B. Wälder und Wasserfälle – sehr vorteilhaft ist.

Ich bin für meine Waldfotografie immer für Nebel dankbar. Im Wald nimmt Nebel die Tiefe und lässt das Bild / das Motiv ruhiger wirken. Natürlich wirkt Dein Bild auch etwas mystischer.

Wie plane ich eine "Fotoexpedition"?

Ich überprüfe zuerst die Wettervorhersage. Dann schaue ich, wann Sonnenaufgang oder -untergang ist und plane die Ankunft mindestens 30–45 Minuten vorher ein. Die Route zur Location prüfe ich vorher auf Google Maps. Im Rucksack habe ich immer: vollständig aufgeladene Akkus (mindestens 2 Reserve), leere Speicherkarten, ausreichend Wasser und Essen, eine Taschenlampe, und je nach Jahreszeit Regenschutz. Sicherheit geht vor – informiere immer jemanden, wohin Du gehst.

Bildbearbeitung

Welche Software nutzt Du für die Bildbearbeitung?

Mein Workflow basiert hauptsächlich auf Adobe Lightroom Classic für die Grundbearbeitung, Farbkorrektur und Organisation meiner Bilder. Für komplexere Arbeiten, Fokus-Stacking, Exposure Blending und Retusche nutze ich Adobe Photoshop. Für spezifische Aufgaben wie Rauschreduzierung nutze ich zusätzlich Topaz DeNoise AI oder Topaz Photo AI, wobei Lightroom hier deutlich aufgeholt hat.

Was ist der Orton-Effekt und wie wird er eingesetzt?

Der Orton-Effekt ist eine Technik aus der analogen Fotografie, die in der Digitalfotografie nachgeahmt wird. Das Ergebnis ist ein verträumtes, leicht unscharfes Leuchten, das besonders in Waldlandschaften oder bei Langzeitbelichtungen wunderschön wirkt. In Photoshop erstellst Du dazu eine Kopie der Ebene, weichst sie stark auf (Gaußscher Weichzeichner), und blendest sie mit dem Mischmodus "Weiches Licht" oder "Ineinanderkopieren" über das Original. Die Stärke des Effekts regelst Du über die Deckkraft der Ebene. Ich zeige diesen Effekt auch in meinen Workshops.

Wie viel Nachbearbeitung ist "zu viel"?

Das ist eine sehr persönliche Frage, über die in der Fotografiecommunity lebhaft diskutiert wird. Ich selbst stehe für eine kreative, künstlerische Bearbeitung, die das Motiv eindrucksvoll in Szene setzt – auch wenn das bedeutet, Himmel zu blenden oder die Farbstimmung deutlich zu verändern. Fine Art Fotografie lebt von künstlerischer Freiheit. Wichtig ist Transparenz: Wenn ein Bild stark bearbeitet ist oder aus mehreren Aufnahmen besteht, kommuniziere das offen. Fotojournalismus und Naturfoto-Wettbewerbe haben eigene, strengere Regeln – dort gilt es, die jeweiligen Richtlinien zu kennen und einzuhalten.

© Benjamin Höger Photography